Helsinki – Finnland 2017

Als ich Anfang März in Finnland landete war ich zunächst verwirrt, als meine Armbanduhr eine Stunde hinterher hinkte. Aber ja, tatsächlich liegt Helsinki in der nächsten Zeitzone. Ich war gespannt auf die kleinen Dinge und die Kultur der Finnen.

Der erste Eindruck verzückte mich nicht. Ich erreichte die Stadt zwar erst um 23 Uhr, aber die vielen, völlig Betrunkenen im Zug Richtung Innenstadt hatte ich so nicht erwartet.Elch Hohe Steuern auf Alkohol funktionieren hier also auch nicht. Ich musste kurz an die Prohibition denken, auch wenn der Vergleich ein wenig hinkt. Der Versuch, Alkoholkonsum durch eine Art Verbot oder Strafe zu reduzieren, ist sinnfrei. Eric (der mit dem Elch auf dem Kopf, links), bestätigte mir meinen Eindruck während einer Tour. Alkohol ist tatsächlich ein Problem für Finnland, erklärte er. Aufgrund der hohen Preise wird er legal aus, bspw., Estland eingeführt. Damit sich der Aufwand auch lohnt wird gleich zu Hochprozentigem gegriffen.

Am nächsten Morgen besserte sich das Stadtbild aber schlagartig, auch wenn das Wetter es noch nicht tun wollte. Es war super kalt. Minusgrade und Schneefall. Aber ich wurde von wundervollen Klängen auf die Straße gelockt: http://bottles4music.com/

Außerdem war ich begeistert von den wenigen Autos auf den Straßen. Dies blieb auch am Montag so, einem normalen Arbeitstag. Da das Wetter nicht zu einem Spaziergang durch die Stadt einlud, stieg ich in die Tram der Linie 2 und 3. Sie ersetzt jede hop on hop off Tour, die es im März sowieso noch nicht gibt. Für 9 € (Tagesticket) lässt sich ganz Helsinki erkunden. Die genannte Tram zieht 8-förmig ihre Runden durch die Stadt und gibt einen guten Überblick.

ElchwurstHier empfehle ich, unter anderem, die Markthalle am Hafen. Auch wenn einige Funde schräg waren. 
Alkohol
Links die Bärenwurst und das Elchfleisch. Beides sind Spezialitäten, die sich auch die Finnen nicht so oft gönnen. Ist recht kostspielig. Rechts fragte ich mich warum es ausgerechnet Dortmunder als Spezialität nach Finnland geschafft hat. Außerdem hat es mir die Fazer Schokolade angetan. Mir war sie kein Begriff, aber sie ist super lecker.
Die Tram der Linie 4 brachte mich zu den Wooden Villas. Eine ganze Reihe bunter Holzhäuser in pink, gelb, grün, blau – unbedingt anschauen. Sie werden immer noch bodenständig bewohnt und sind ganz zauberhaft. Während man sie abläuft findet man außerdem eine kleine „Teestation„, rechts. Leider wärmte sie nicht.

Ein Wunder der Natur begegnete mir aber auch noch. Dieser wunderschöne Baum. Schön und symmetrisch wie ein Kerzenständer und kraftvoll wie nur ein Baum es sein kann, regt er seine Äste empor.
Am nächsten Tag kam die Sonne hervor und die Kälte wurde erträglicher. Sie führte sogar zu einem kleinen Sonnenbrand während der Walking Tour. Auch wenn die Anzahl der Teilnehmer an Free Touren immer weiter steigt, finde ich es schön, mit Menschen aus aller Welt eine Stadt gemeinsam zu erkunden.

Eric zeigte uns Einiges an spannender Architektur. Und ich erfuhr, wo die Mumins erfunden wurden. Falls ihr die noch kennt. Ich fand die nilpferdartigen Wesen immer ganz zauberhaft als ich klein war. Rechts ein Foto, was der Erinnerung auf die Sprünge helfen könnte. Und links das Haus der Schriftstellerin Tove Jansson, die Erfinderin der Mumins. Sie ließ diese Architektur auch in die Behausungen der Mumins einfließen.

Eric zeigte uns auch die Kapelle der Stille, im Zentrum Helsinkis. Angeblich religionsfrei, kann man kostenlos in dieses Holzgebilde gehen, welches auch von innen komplett mit Holz verkleidet ist. Die Idee, mitten in der Stadt innehalten zu können, finde ich super. Leider befand sich am Altar vorne aber doch ein Kreuz. Das ist für mich nicht religionsfrei.

Die Architektur Helsinkis war beeindruckend. Vieles wirkt gut erhalten. Es wird kombiniert mit der Moderne, was ich immer sehr gern sehe.

    

Nach einiger Zeit fielen mir die folgenden kleinen Dinge auf:

     

Warum ausgerechnet Tiere? Ich fand heraus, dass die Häuser bzw. ganze Häuserblöcke früher nach den dort lebenden Familien benannt wurden. Es gab keine Hausnummern bzw. Straßennamen, daher wechselte man zu den Tieren. So kann man sich auch heutzutage noch beim Hamster treffen. Inzwischen sind es nämlich Mehrparteienhäuser und werden auch von Firmen genutzt.

Die Insel Suomenlinna, welche gleich vor Helsinki liegt, besuchte ich auch. Einen kurzen Tagesausflug ist sie wert. Von hier aus verteidigte man Finnland und seine Hauptstadt in kriegerischen Zeiten. Die Kanonen, die sich in der mit Gras bewachsenen Höhlen ähnlichen Häusern befinden und auf das Meer zeigen sind heute noch in Richtung Schweden ausgerichtet.

     

EisbrecherZur Insel kommt man übrigens nur mit der Fähre und diese musste sich erstmal durch das Eis arbeiten. Direkt hinter ihr schloss es sofort wieder und man kann sich denken, dass es sehr gut ist, dass sie so oft hin und her fährt und dadurch den Weg frei hält.

Kommen wir zu weiteren, spannenden kleinen Dinge der Finnen:

Ganz links sieht man diese Mini-Reflektoren. Die tragen Sie die ganze Zeit. Es gibt sie als Buchstaben, Puzzleteile, geometrische Formen, und und und. Tatsächlich tragen Sie es, da es über eine lange Zeit im Jahr sehr dunkel ist und man dadurch leicht übersehen wird.

Die Finnen sind sehr sportbegeistert. Der Mann links schaut Sport auf seinem Smartphone. Als er sich über ein Tor freute, bekam eine Dame mit was er schaute und gesellte sich zu ihm.

Das Röda Korset? Rotes Korset? Äh, Kreuz! gibt es natürlich auch in Finnland. Diese Sprachen, das untere immer in schwedisch und das obere in finnisch, sind echt unvergleichlich und vor allem unaussprechlich. Dennoch können die Finnen wirklich stolz auf Ihre Unabhängigkeit und eigene Sprache sein. Das alles haben Sie nämlich gerade erst einmal seit 100 Jahren.

Suomi, so heißt Finnland auf finnisch, ist seit 1917 unabhhängig. Und wenn man es weiß, fällt einem auf, dass das überall steht. Es gibt Biere und Whiskeys auf denen Suomi 100 steht.

Liebe Finnen, ich gratuliere zu dieser sehenswerten Stadt und einem Land von dem ich noch mehr sehen möchte. Zu den freundlichen, kreativen Menschen, zur tollen Schokolade und dem leckeren Kaffee. Danke für die eiskalte Umarmung und dass ich da sein durfte.

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